Miandrivazo : Reisebericht von Herrn Frank Dittrich (4/9)

Freitag, 02.02.2018

Bereits gestern Abend hatten wir das Frühstück bestellt. Um 6:30 Uhr steht es auf dem Tisch. Inclusive der ungarischen Pick-Salami, die ich aus Deutschland mitgebracht habe. Um 7 Uhr fahren wir ab. Nur, um 3 Minuten später wieder umzukehren. Vielleicht wäre es doch nicht so verkehrt, meinen Rucksack mit der Reisekasse mitzunehmen, der noch an der Rezeption steht. Die Angestellten sind gerade dabei, die Telefonnummer von K1 zu suchen, um ihn über den wertvollen Fund zu informieren.
Pause

Tsiribihina Fluss
Tsiribihina Fluss

Auf der Fahrt nach Miandrivazo legen wir einige Fotostops ein, wir haben genug Zeit. Mittag essen wir wieder in der gleichen Kneipe und fahren anschließend hinab zum Tsiribinha River. Die Schule ist aus und zahlreiche Kinder werden mit langen Einbäumen über den breiten Fluß gepaddelt. Von hier starten auch die Bootstouren flußabwärts bis nach Belo sur Tsiribihina. Ein wohlgenährter Eingeborener mit Lacoste-Tshirt bietet uns die Tour für 700 Euro an, 100 Euro pro Person. Ich lach mich tot angesichts dieses Wuchers, aber so mancher Tourist hat die dreitägige Tour schon gemacht. 

K2 löst mich als Fahrer ab. Er hat gleich von Anfang an Probleme mit dem BMW, obwohl er selbst einen fährt. Die Lenkung geht ihm zu schwierig, das Gaspedal funktioniert nicht richtig, die Klimaanlage kühlt nicht genug - was ein alter verbitterter Mann halt so zu meckern hat. K1 gibt ihm den guten Rat, das Gaspedal doch einfach nach unten zu drücken, wenn das Auto schneller fahren soll. Und ich empfehle ihm ein Training im Fitness-Studio für die Lenkung. Hohn und Spott ergießen sich über K2. 

Als auf der nächsten Anhöhe der Kühler kocht, übertreibt es K2 aber wirklich. Wir halten an und stellen fest, dass ein Riemen im Motorraum gerissen ist. Jetzt hat er das Auto endgültig kaputt gemacht. 

Mister BIN kommt mit dem Landcruiser und Eberhard und Michi zurück. Er baut den zerrissenen Riemen aus und fährt zurück nach Miandrivazo. Keine halbe Stunde später ist er mit zwei Automechanikern und einem Riemen zurück. Der passt aber leider nicht. Also fahren wir zurück in die heiße Stadt und stellen den BMW auf dem Hof der Kneipe ab. Was sollen wir machen? Das Ersatzteil in der Hauptstadt bestellen und hier in der Hitze übernachten? Die Kneipe vermietet Zimmer, gar nicht schlecht ausgestattet für 7 Euro. Aber ohne Klimaanlage. Und nachts ohne Strom, so dass auch kein Ventilator geht. Wir entscheiden uns für die Flucht. Das wichtige Gepäck laden wir in den Landcruiser um, das unwichtige bleibt im BMW zurück. Zu siebt quetschen wir uns in den Landcruiser. Mister BIN fährt, K2 und ich teilen uns den Beifahrersitz, hinten sind K1, seine Frau, Michi und Eberhard. 220 madagassische Straßenkilometer vor uns. Endlich wird die Reise mal interessant. Besonders die zahlreichen tiefen Schlaglöcher erwecken Glücksgefühle bislang unbekannten Ausmaßes. Abends in Antsirabe begrüßen uns heftige Blitze. Im Gewitter steuern wir das Hotel Vatolahy an und sortieren unsere Knochen beim Aussteigen. Keine Ahnung, warum wir mit zwei Autos gestartet sind. Das eine reicht ja auch. 

Wir essen in einem ausgezeichneten Restaurant. Pizza, Zebu, Suppe, Tintenfisch landet auf dem Tisch. Als Absacker eine Karaffe Rum aufs Haus. Heute werden wir alle gut schlafen.

Samstag, 03.02.2018

Frühstück um 9 Uhr im Crustipane. Ich bestelle mir ein Thunfischbaguette. Es kommt ein Ungetüm von einem knappen halben Meter, gefüllt mit Salat, Eiern, Majo und dem Inhalt einer Thunfischdose, ich schaffe nicht mal die Hälfte. Kostet aber auch stolze 1,50 Euro. Auch die Anderen sind mit der Qualität des Frühstücks sehr zufrieden.
Fahrrad

Blumen

trockene Körner

trockene Körner

K2 würde heute gerne Golf spielen. K1 und seine Frau bleiben in der Stadt, so ist es doch etwas bequemer im Auto. Mister BIN findet die Abzweigung zum Golfplatz nicht, wir warten eine halbe Stunde auf einen Freund von ihm, der uns den Weg zeigen soll. Als der nicht kommt, fragen wir die Leute an der Straße. Sie zeigen auf einen kleinen Holzpfeil an einer Abzweigung mit den krakeligen grünen Buchstaben 'Golf Club'. Sehr dezent ausgeschildert. Die üble Piste ist nur mit Allrad befahrbar, nach wenigen Kilometern sind wir am Clubhaus unter großen Bäumen. Die Angestellten sind ganz aufgeregt: Ein europäischer Tourist, der hier Golf spielen möchte! Unglaublich! Die Baulichkeiten des Clubhauses würden sich harmonisch in eine verfallene ostdeutsche Schrebergartenkolonie einfügen. Aber der Rasen ist gemäht und K2 kann sich einen Schlägersatz ausleihen. Wir lassen ihn zurück und machen uns auf den Weg zum Kratersee Lac Tritriva. Etwa 20 Kilometer bei schönem Wetter über schlechte Piste. Über dem See steht eine mächtige Wolke und der Himmel öffnet seine Schleusen genau in dem Augenblick, als wir ankommen. Wir müssen Eintritt bezahlen und einen Guide nehmen. Ständig sind wir von Kindern umringt, die uns Kristalle und Halsketten mit Halbedelsteinen verkaufen wollen. Direkt schon lästig. Der See ist von senkrechten Felswänden umgeben und der Wasserpegel sinkt bei Regen und steigt bei Trockenheit. Niemand kann sich dieses Phänomen erklären. 

Auf dem Rückweg halten wir am See Andikaiba, wo die vielen Stände mit Steinen sind. Ich erstehe eine etwa 3 Kilo schwere Kugel aus Calcit und Septerin. Dann holen wir K2 vom Golfplatz ab. Er findet den Platz wunderschön und möchte die nächsten Tage hier nochmal spielen. 
Heute ist Markttag in Antsirabe. Wir schlendern durch die leckere Frischfleischabteilung, besonders die Geflügel verströmen in der Hitze einen ganz besonders gewöhnungsbedürftigen Geruch. Fliegen versammeln sich auf Hackfleischhaufen und toten Fischen. In den Teichen der Umgebung schwimmen überwiegend Tilapias und Welse. 

Im Gemüseviertel bekommen wir höllisch scharfe PiriPiri. Besonders gut geeignet, um sie in Öl einzulegen. Vanille ist nur in sehr schlechter Qualität erhältlich, Muskatnuß ist mir zu teuer und die dicke Rinde vom Zimtbaum finden wir nicht, nur die dünnen Rollen. Müssen wir in Tana noch mal schauen. Aber es gibt Mangos und Maracuja, wir versorgen uns mit verschiedenen Sorten. 

Zum Glück ist K1 unser Guide auf dem Markt, sonst würden wir hier nie rausfinden. K1 hat jahrelang hier in Antsirabe gelebt und kennt den Markt wie seine Westentasche. 

Abends gönnen wir uns noch eine Massage, dann geht es in das gleiche Restaurant wie gestern. Pizza mit Sardellen und Kapern.

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