Um Antananarivo herum : Reisebericht von Herrn Frank Dittrich (9/9)

Donnerstag, 15.02.2018

Um 8 Uhr steht ein großer Reisebus von der Tür. Wir fahren Richtung Mahitsy, wo die Piste zur Schule abzweigt. Lehrer und Schüler warten schon, leider ohne Schuluniformen. Aber jeder sauber angezogen, niemand ohne Schuhe. Jedes Mädchen trägt eine andere Frisur. Es ist der erste Busausflug für die Kinder. Die meisten haben noch nie die Hauptstadt gesehen, durch die wir zwei Stunden lang fahren. Am Lemurs Park müssen wir noch eine knappe halbe Stunde auf unseren Guide warten. Ich komme mit einem kanadischen Paar ins Gespräch. Sie sagen, sie hätten noch nie so eine disziplinierte Schulklasse gesehen. Der Guide vom Lemurs Park heißt Hery und hat eine Begabung dafür, den Kindern die Natur zu erklären. Er erzählt von den unterschiedlichen Pflanzen- und Tierarten, in welchen Regionen sie vorkommen und was die Besonderheiten sind. Dann fragt er die Schüler über das Erzählte ab und diese antworten im Chor. Wir sehen Makis, Sifakas, Indri, braune Lemuren, Bambuslemuren und Katta (die mit den Ringelschwänzen). Auch über die verschiedenen Schildkrötenarten erfahren wir etwas. Zwei Stunden dauert die Führung. Den Abschluß bildet ein Vortrag über Umweltschutz und richtiges Verhalten in der Natur. Jedes Kind erhält ein Faltblatt mit Anregungen, wie es selbst zum Erhalt der Umwelt beitragen kann.






Zum Mittagessen halten wir bei einem madagassischen Restaurant. Weiße Stuhlhussen, weiße Tischdecken, sehr nobel. Ich frage, ob genug Essen für 35 Personen da wäre. Ja. Hühnchen mit Reis. Soll 2 Euro pro Person kosten. Ich versuche, zu verhandeln. Es wären ja schließlich auch riesige Portionen, für jeden ein halbes Hühnchen und mindestens ein Pfund Reis, meint die Wirtin. Na prima, dann bekommt jedes Kind ein viertel Huhn und ein halbes Pfund Reis für 1 Euro. Deal. Dazu 10 Liter Mineralwasser und für K1 und mich eine Schweinshaxe. Es wird meine letzte Mahlzeit für die nächsten Tage sein. Als wir das Lokal verlassen, sind alle Teller blitzblank leergegessen, kein Reiskorn hat überlebt. 


Am frühen Nachmittag fährt der Bus die Kinder zurück ins Dorf, ich mache es mir bei K1 gemütlich. Mein Magen fühlt sich nicht sehr wohl. Zum Abendessen gibt es nur ein Joghurt und eine große Kanne Citronella-Tee. Kurz darauf lasse ich mir das Abendessen noch einmal durch den Kopf gehen. Das letzte mal hatte ich mich vor vier Jahren übergeben.

Freitag, 16.02.2018

Heute ist der erste Tag der Baumpflanzaktion. Mein Frühstück besteht aus Wasser, Imodium akut und meinen üblichen Tabletten. Die Madegassen haben sich für mich eine Überraschung einfallen lassen: Noch nie habe ich es bis oben auf den Hügel geschafft, auf und um den herum der Wald gepflanzt wird. Seit Tagen sind Leute dabei, einen Weg zum Hügel hoch befahrbar zu machen. Wir werden von einem "Pfadfinder" erwartet, der Ayna einen neuen Weg zum Berg zeigt. Anfangs über einen Zebu-Trampelpfad, dann querfeldein. Ziemlich steil. Der Pfadfinder geht voraus und zeigt, wo die großen Steine beiseite gelegt wurden. Zwei Stunden brauchen wir. Manchmal in einer Schräglage, dass ich uns mitsamt Auto den Berg herunterpurzeln sehe. Doch wir schaffen es. Der Pfadfinder ist ganz stolz und erklärt, dass er auch den letzten Geländewagen ohne Unfall hier hoch gelotst habe. Das war im Jahr 2000. 

Rund 50 Höhenmeter sind es nun noch zum Gipfel. Eine Karawane von 40 Frauen zieht an uns vorbei, jede einen großen Korb mit 20 Baumsetzlingen auf dem Kopf. Die Männer tragen Schaufeln und mehrere Säcke. Dann kommen die Schulkinder in ihren schwarz-rot-gelben Schuluniformen, jedes einen Setzling in der Hand. Wir pflanzen dieses Jahr auf der Rückseite des Hügels. Ich muß mich erstmal oben ausruhen und genieße die frische Luft im Schatten der großen Bäume. Die Anderen sind fleißig und heben Pflanzlöcher aus, legen ausgerupfte Gräser hinein und dann die Setzlinge. Ich entdecke eine wunderschöne tiefblaue Blüte. Die Narbe und die Blütenpollen sehen wie das Vorderteil eines Insekts aus. Das gibt es auch in den Alpen, z.B. der Bienenragwurz. Plötzlich hebt die Blüte ab und schwebt davon. Zum Glück erst, nachdem ich sie fotografiert hatte. Ich schaue mir das Foto an und stelle fest, dass es eine Libelle ist, die sich als Blüte getarnt hat. Während die Flügelansätze blau strahlen, sind die Enden durchsichtig. Perfekte Tarnung. Außerdem finden sich große weiße Lilien und eine Reihe anderer mir unbekannter Pflanzen im Wald. So schnell also erobert sich die Natur ihren Platz. 

Nachdem alle Bäume vergraben sind, setzen sich alle Beteiligten oben im Schatten zusammen. Die Säcke werden geöffnet. Heraus kommen über 100 Baguettebrote und zahlreiche Packungen Käseecken. Tradition seit 18 Jahren Bäume pflanzen. Wir lassen es uns schmecken. Anne und Erich haben einen großen Sack mit Babykleidung dabei. Der wird unter den Frauen verteilt, Bedarf gibt es genug. Ich überlege, ob ich den Abstieg zu Fuß angehe oder mich wieder der Gefahr im Auto aussetze. Die Anderen raten mir vom Abstieg ab. Also zwei Stunden Spannung und Schaukelei. Unten an der Teerstraße treffen wir auf die Anderen und fahren gemeinsam zum Essen. Na ja, mein Teller bleibt leer. Die Fanta bleibt zum Glück drin. 

Zurück bei K1 verziehe ich mich in die Keramikabteilung. Abends raffe ich mich kurz auf und schaue K1 und seiner Frau zu, wie sie Krautwickerl und Tiramisu verspeisen. Keramag ruft wieder.

Samstag, 17.02.2018

Heute sollen noch an der Schule Bäume gepflanzt werden. Ich habe mich aber so mit der Kloschüssel angefreundet, dass ich mich nicht von ihr trennen möchte. Kommende Nacht ist mein Rückflug. Bis dahin möchte ich mich nicht weiter verausgaben. Nur einmal verlasse ich das Haus, um für Sabine zwei Ananas zu kaufen. Mango sind leider nicht im Angebot. Gegen 21 Uhr verabschiede ich mich von K1 und seiner Frau, Ayna bringt mich zum Flughafen. Ein Koffer mit 23 kg Krippenfiguren, eine Reisetasche mit drei Steinen, Gewürzen und meinem übrigen Gepäck. In der Warteschlange werde ich wieder von einem Geldwechsler angesprochen. Vor 4 Tagen habe ich ihn im Schlepptau des Geldwechselbetrügers gesehen. Ja, natürlich kann ich ihm Münzen gegen einen 20 Euro-Schein wechseln. Ihm dämmert es, er erkennt mich wieder. Zählt mir Euromünzen für 20,- in die Hand. In meine Hand, nicht in seine. Ha, den Trick kenn ich auch: Nachher hab ich statt 2-Euro-Stücken nur thailändische 10-Bath-Stücke. Ich trete zwei Schritte zurück und schaue mir jede Münze von vorne und hinten an. Alles echt. 20 Euro. Nichts fehlt. Irritiert gebe ich ihm den 20-Euro-Schein. Als er weg ist, zähle ich nochmal nach. Alles korrekt. Unglaublich. 

Beim Einchecken bestelle ich eine Assistenz mit Rollstuhl für den Pariser Flughafen. Die Maschine ist ziemlich ausgebucht, kein freier Nebenplatz. Noch bevor wir abheben frage ich die männliche Saftschubse, ob ich mich im Bedarfsfall hinten im Heck der Maschine auf den Boden legen darf, wenn es gesundheitliche Probleme gibt. Nein, das ist nicht möglich, meint er. Der Purser neben ihm bekommt das mit. Selbstverständlich kann ich mich hinten auf den Boden legen, eine Decke bekomme ich auch. Aber vielleicht könnte er noch eine angenehmere Lösung finden, aber erst wenn wir in der Luft sind. Insgeheim spechte ich auf einen Platz in der Businessclass. Oben am Himmel werden ein paar Leute umgesetzt. Dann bittet mich der Purser nach vorne. Ich bekomme eine 4er-Reihe für mich alleine. Auch gut. Den Flug verbringe ich liegend, kann sogar schlafen. Und die Toilette ist auch nicht weit. 

Sonntag, 18.02.2018

In Paris, wo wir mit einer Stunde Verspätung landen, stehen gleich zwei Rollstühle mit Assistenten. Leider nicht für mich. Aber sofort kümmert sich eine Dame vom Bodenpersonal um mich. Mein Anschlußflug nach Berlin ist wegen der Verspätung nicht zu schaffen. Die Dame organisiert einen Rollstuhl und bucht gleich meinen Flug um, drei Stunden später. Und sie drückt mir einen Gutschein für Speisen und Getränke in die Hand. Ich werde zu Gate F56 geschoben und verabschiede mich von der Dame. Im Untergeschoß sind Restaurants, ich genieße 50 Gramm luftgetrockneten Schinken für 11 Euro, zufällig genau der Gutscheinwert. Ein Hochgenuss. Ich überlege kurz, ob ich mir den Hochgenuß ein zweites Mal gönnen soll, aber das Essen bleibt im Magen. 

Regina holt mich am Flughafen Tegel ab. Sabine hat Wiener Würstchen mit Kartoffelsalat vorbereitet und Tiramisu gemacht. Das muss leider noch warten. Erst unter die Dusche, dann ins Bett.

Montag, 19.02.2018

Jetzt geht es mir deutlich besser, der Magen hat sich beruhigt und das Essen schmeckt wieder. 10 Kilo habe ich auf meiner Reise abgenommen, in nur drei Wochen. Das schafft nicht mal Slimfast. K2 hat mir bereits angedroht, mich auf meiner nächsten Reise nach Madagaskar wieder zu begleiten. Die Schönheit der Insel hat auch ihn in den Bann gezogen. Wenn Du auch Lust hast, auf die nächste Reise mitzukommen, sag mir per PN Bescheid. Ich fliege zweimal jährlich auf die rote Insel.

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